
Die Burg Busau (tschechisch Bouzov) ist ohne Zweifel in
der modernen Zeit zu einem der Symbole des Deutschen Ordens in Mitteleuropa geworden. Der Orden hat sie schon am Ende des
17. Jahrhunderts gekauft; doch wird sie vor allem mit dem Hochmeister Erzherzog Eugen verbunden. Er empfand zu Busau eine
große Zuneigung und ließ sie großzügig umbauen, damit sie den Eindruck einer romantischen mittelalterlichen
Burg erweckt. Auf Busau wurde 1929 der erste tschechoslowakische Staatspräsident T. G. Masaryk von dem damaligen
Hochmeister Norbert Klein empfangen. Am 1.10.1939 wurde die Burg durch die Nazis konfisziert und fiel unter die Verwaltung
von SS Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt in Berlin, nach dem Krieg wurde sie wieder enteignet. Heute gehört sie
dem Denkmalschutzamt in Olmütz und mit über 100.000 Besucher pro Jahr zählt zu den am meisten besuchten
Burgen in Tschechien.
„Unter der Burg" befindet sich die dem
Deutschen Orden inkorporierte Pfarrei Busau. Ihre Betreuung nahm der Orden am 1. Juli 2006 wieder auf, indem der Erzbischof
von Olmütz Jan Graubner P. Metoděj Hofman OT zum Pfarrer des Pfarrverbandes Busau, der heute insgesamt 4 Pfarreien
umfasst, ernannte. Die Pfarrei Busau hat eine interessante Geschichte. „Vor allem war sie im Rahmen des Ordens darin
außerordentlich und ungewöhnlich, dass sie von tschechischer Bevölkerung gebildet war", erzählt
P. Metoděj. Deshalb haben die deutschen Ordenspriester, die nach Busau kamen, tschechisch lernen müssen. Erzherzog
Eugen hatte mit der Pfarrei große Pläne, zum Beispiel gab es Projekte einer großzügigen Erweiterung
der Pfarrkirche (Patrozinium Hl. Gotthard); der erste Weltkrieg bedeutete aber das Ende aller Planungen. Heute lässt
sich das religiöse Leben in Busau für die tschechischen Bedingungen als „überdurchschnittlich"
bewerten: Die Pfarrei ist lebendig, die Gottesdienste werden von allen Altersgruppen besucht. P. Metoděj hat es auch
erreicht, dass einige Karmelitinnen in den Pfarrverband kamen, die jetzt mit ihm an verschiedenen Programmen, wie Exerzitien
oder Einkehrstagen für Jugendliche mitarbeiten. Das Pfarrhaus direkt unter der Burg sollte in naher Zukunft als ein
„Begegnungsort" für verschiedene Programme der Studenten aus dem Olmützer Ordensgymnasium oder für
Veranstaltungen der Familiaren dienen.

Lubomír Macek, Familiare des Ordens und gebürtiger
Busauer erzählt davon, dass die Erinnerung an Erzherzog Eugen in Busau und Umgebung immer noch sehr stark und lebendig
ist. Er bleibt als ein liebevoller und freundlicher Mensch in Erinnerung. Vor allem sein soziales Engagement und sein großzügiger
Zugang zu den einfachen Arbeitern und Ordensangestellten werden geschätzt. „Ein Betrag von zwei Gulden war zum
Beispiel in jener Zeit für den Unterhalt einer Familie pro Woche nötig", sagt Lubomír Macek, „aber
Erzherzog Eugen hat seinen Arbeitern sieben Gulden bezahlt! Das war für damalige Verhältnisse ein sehr großzügiger
Lohn." Im Dorf erbaute der Orden auch ein Heim für alte Angestellte, um die sich sonst niemand kümmern konnte.
Also hat der Deutsche Orden genau im Sinne der damals erst entstehenden katholischen Sozialethik gehandelt! Der Orden hat
nicht nur in die Burg viel investiert, sondern kümmerte sich auch um viele technische Verbesserungen im Dorf Busau.
Zum Beispiel hatte das Dorf immer Probleme mit dem Wasser - Erzherzog Eugen ließ eine Wasserleitung aus der Umgebung
bauen, die zunächst als „provisorisch" gedacht war, dann aber bis in die Sechziger Jahre ihren Dienst leistete.
Die Umgebung von Busau ist genauso traumhaft und romantisch wie die Burg
- viele Hügel, Wälder, kleine Dörfer mit schönen Kapellen. Nachdem das Gebiet in den kommunistischen
Zeiten eher gelitten hat, gibt es nun schon die ersten Zeichen der Erholung. Viele junge Menschen geben dem Leben am Land
dem in der Stadt den Vorzug und „kehren zurück". Doch bleibt die Arbeitslosigkeit für das Gebiet ein
großes Problem, weil in der Wirtschaftskrise viele Fabriken in der Umgebung von Olmütz eingestellt wurden und
die traditionelle, am Obst orientierte Landwirtschaft in der Weltkonkurrenz nur sehr schwer bestehen kann.
Möge also das erneuerte Wirken des Ordens in seinem traditionellen Gebiet
wieder viele geistliche, aber auch „weltliche" Früchte bringen!